Bei der Themenfindung suchte ich mit chinesischen Schlüsselwörtern und bekam ausschließlich chinesische Übersichtsarbeiten; die Literaturverweise drehten sich immer wieder um dieselben paar Arbeiten.
Mein Betreuer sagte: „In deinem Bereich gibt es zehnmal mehr englische als chinesische Literatur.“
Ich wechselte zu englischen Schlüsselwörtern, und schon der erste Artikel war zwei Jahre neuer als die chinesische Übersichtsarbeit.
Das Problem liegt nicht in der Datenbank, sondern bei den Schlüsselwörtern
In chinesischen Datenbanken kann ein Begriff drei oder vier Übersetzungen haben; im Englischen gibt es für denselben Begriff oft nur eine gängige Bezeichnung.
Auf Chinesisch zu suchen bedeutet, nur in dem Teil der Literatur zu suchen, der ins Chinesische übersetzt wurde.
Der Schlüssel zur sprachübergreifenden Recherche besteht darin, chinesische Begriffe in die im Englischen übliche Bezeichnung zu übersetzen, nicht in eine wörtliche Übersetzung.
Schlüsselwörter in drei Schritten übersetzen
Meine Vorgehensweise:
1. Aus chinesischen Übersichtsarbeiten die Kernbegriffe auswählen (drei bis fünf)
2. Sie mit einer Paper-Übersetzung ins Englische übersetzen und dabei englische Synonyme prüfen
3. Die englischen Begriffe wieder in der Datenbank suchen und Treffermenge sowie Titelrelevanz prüfen
Der zweite Schritt ist am fehleranfälligsten: Wörtlich übersetzte Begriffe werden in der Wissenschaft möglicherweise nicht verwendet.
Zum Beispiel „Grenzflächenbindungsfestigkeit“: Die wörtliche Übersetzung ist interface bonding strength, aber in diesem Bereich ist interfacial adhesion gebräuchlicher. Nach dem Übersetzen sollte man außerdem prüfen, welches Wort in den Titeln der Suchergebnisse verwendet wird.
Die Paper-Übersetzung von MuchSci liefert den übersetzten Text; Synonyme muss man selbst beurteilen – ich werfe die übersetzten Begriffe meist zurück in das Suchfeld und schaue, welche Treffer besser zum Thema passen.
Auch den umgekehrten Weg gehen
Wenn ich eine Reihe englischer Artikel gefunden habe, mache ich noch etwas in umgekehrter Richtung: Ich notiere die Wörter, die in englischen Titeln immer wieder auftauchen.
Diese Wörter sind die „übliche Ausdrucksweise dieses Bereichs“ und treffsicherer als jedes Wörterbuch.
Einmal vorwärts übersetzen, um den Einstieg zu finden; erst wenn man rückwärts eine Reihe von Wörtern notiert, kommt man wirklich hinein.
Ein konkretes Beispiel
Ich wollte Literatur zur „Versprödung von Materialien bei niedrigen Temperaturen“ finden.
· Wörtliche Übersetzung: low temperature embrittlement
· Nach der Recherche zeigte sich, dass in diesem Bereich eher cryogenic embrittlement und ductile-to-brittle transition verwendet werden
Die letzten beiden Begriffe habe ich aus den Titeln der Suchergebnisse „herausgelesen“, nicht übersetzt.
Kombination der Suchabfrage
Eine Suche mit einzelnen Wörtern ist zu breit; ich kombiniere drei Blöcke:
| Block | Inhalt | Funktion |
| Objekt | Material-/Strukturname | begrenzt den Bereich |
| Bedingung | Temperatur, Last, Umgebung | begrenzt das Szenario |
| Phänomen | Versagensmodus | begrenzt das Problem |
Aus jedem der drei Blöcke zwei bis drei Synonyme nehmen, mit OR verbinden und die Blöcke mit AND verknüpfen.
Bei einer solchen Suchanfrage sinkt die Treffermenge normalerweise von mehreren Tausend auf einige Dutzend.
Chinesische Literatur ist nicht überflüssig
Der Wert chinesischer Übersichtsarbeiten liegt darin, dass sie „beim Finden von Wörtern helfen“: Sie übersetzen englische Literatur ins Chinesische, sodass man gängige Übersetzungen einer Reihe von Begriffen sieht.
Meine aktuelle Reihenfolge ist: zuerst zwei chinesische Übersichtsarbeiten lesen, um Wörter zu finden, dann mit englischen Wörtern suchen und schließlich im englischen Original nachprüfen.
Eine kleine Erkenntnis
Sprachübergreifende Recherche ist im Kern „zweimal übersetzen“: einmal den Begriff ins Englische übersetzen, einmal die Titel englischer Literatur zurück ins Chinesische, um zu prüfen, ob es das ist, was ich suche.
Übersetzt man beim ersten Mal falsch, läuft die Recherche in die falsche Richtung; übersetzt man beim zweiten Mal falsch, merkt man erst nach langem Lesen, dass es nicht um dieselbe Sache geht.
Bei beiden Übersetzungen lasse ich den Text einmal durch die Paper-Übersetzung von MuchSci laufen, besonders die Titel – **die Präpositionen und die Attributbeziehungen in Titeln werden am leichtesten falsch übersetzt.** MuchSci unterstützt die gleichzeitige Einreichung mehrerer Dokumente; ich lasse meist ein Dutzend Titel auf einmal durchlaufen, das geht schneller als einzeln nachzuschlagen.