Die Gruppe möchte eine wissenschaftliche Hilfskraft einstellen, und es sind über ein Dutzend Lebensläufe eingegangen – schön formatiert, treffend formuliert, alles scheint zu passen. Doch „scheint zu passen“ und „passt tatsächlich“ sind zwei verschiedene Dinge: Ob der Hochschulname ausgeschrieben oder abgekürzt ist, ob die Beschäftigungsstelle die Zentrale oder eine Arbeitsgruppe ist, ob bei der Projekterfahrung „mitgewirkt“ oder „verantwortlich“ steht – die Unterschiede hinter solchen Formulierungen lassen sich beim bloßen Lesen des Lebenslaufs nicht erkennen. Wenn erst kurz vor dem Versenden der Zusage auffällt, dass eine Station nicht übereinstimmt, ist der Aufwand für das Hin und Her deutlich höher als die Prüfung selbst.
Dieser Beitrag zeigt, wie man mit den Talentprofilen von MuchSci eine Lebenslaufprüfung durchführt: Die im Lebenslauf angegebenen Hochschulen, Studienfächer und beruflichen Stationen werden Punkt für Punkt mit öffentlich zugänglichen Informationen abgeglichen, sodass aus „scheint zu passen“ ein „lässt sich nachprüfen“ wird. Die Schlussfolgerung vorweg: Prüfbar sind faktische Felder; nicht prüfbar sind Kompetenz und Passung – Letzteres lässt sich nur durch Vorstellungsgespräch und Probezeit klären. Die Profile geben keine Einstellungsempfehlung ab und sollten das auch nicht tun.
01 Vier Schritte der Prüfung
▲ Abb. 1|Vom Zerlegen der Felder bis zur Übergabe an das Vorstellungsgespräch – vier Schritte, mit denen der Prüfprozess steht
Erster Schritt: Felder zerlegen. Hochschule, Studienfach, Beschäftigungsstelle und Projektnamen aus dem Lebenslauf separat herausziehen und nicht in beschreibenden Text eingebettet lassen. Zweiter Schritt: Punkt für Punkt abgleichen. Jedes Feld einzeln anhand öffentlicher Informationen prüfen, nicht anhand eines Gesamteindrucks wie „das klingt ziemlich echt“ – genau diesen Gesamteindruck will ein geschönter Lebenslauf besonders erzeugen. Dritter Schritt: nicht auffindbare Angaben markieren. Lässt sich für eine Station in öffentlichen Informationen kein entsprechender Eintrag finden, wird sie markiert und leer gelassen; sie nicht mit ähnlichen Einträgen auffüllen und auch nicht vorschnell zu dem Schluss „da stimmt etwas nicht“ kommen: Möglicherweise deckt die Quelle den Sachverhalt nicht ab, oder es müssen noch Belege von der Person selbst angefordert werden.
Der vierte Schritt besteht darin, den Rest dem Vorstellungsgespräch zu überlassen. Die ersten drei Schritte klären, ob die Angaben zutreffen; Kompetenz, Zusammenarbeit und die Frage, ob jemand in die Arbeitsweise der Gruppe passt, beantworten öffentliche Informationen von vornherein nicht. Wenn man sie trotzdem hart prüfen wollte, käme dabei nur eine Reihe falscher Schlussfolgerungen heraus.
02 Was sich prüfen lässt und was nicht
▲ Abb. 2|Die linke Spalte enthält Fakten, die sich Punkt für Punkt abgleichen lassen; die rechte Spalte enthält Bereiche, die die Prüfung nicht abdeckt
Drei prüfbare Kategorien: Bildungsweg, Beschäftigungsstelle und öffentliche Projekte. Hochschule und Studienfach lassen sich mit öffentlichen Aufzeichnungen abgleichen, Beschäftigungsstelle und Position lassen sich überprüfen, und bei öffentlichen Projekten, an denen jemand mitgewirkt hat, gibt es nachprüfbare Belege. Drei nicht prüfbare Kategorien: Leistungen im Studium, die tatsächlich übernommenen Aufgaben und der individuelle Beitragsanteil. Ob jemand bei demselben Projekt „mitgewirkt“ oder „die Hauptkraft“ war, lässt sich weder aus dem Lebenslauf noch aus öffentlichen Aufzeichnungen erkennen.
Diese Spalte „nicht prüfbar“ ausdrücklich festzuhalten ist ein Schritt im Prüfprozess, der leicht übersprungen wird, aber wichtig ist. Sie erinnert die am Vorstellungsgespräch Beteiligten daran, dass genau der Teil ergänzt werden muss, den die Profile nicht abdecken können. Eine bestandene Prüfung bedeutet nicht, dass die Person geeignet ist, und ein Prüfzweifel heißt nicht zwangsläufig, dass jemand unehrlich ist – möglicherweise fehlen einfach öffentliche Informationen. In beide Richtungen sollte man nicht überinterpretieren.
03 Welchen Kategorien von Profildaten lassen sich Lebenslauf-Felder zuordnen
▲ Abb. 3|Die Felder aus dem Lebenslauf werden in vier Profilstrukturen aufgeteilt; Lücken treten dabei von selbst hervor
Identität und aktuelle Position entsprechen den Grunddaten: Schreibweise des Namens, aktuelle Einrichtung, Forschungsgebiet. Der Bildungsweg entspricht den Ausbildungsdaten: Zeitraum, Hochschule, Studienfach, Ergebnis – vier Spalten in direkter Entsprechung. Beschäftigungen und Ergebnisse entsprechen dem beruflichen Werdegang und den Forschungsergebnissen: Einrichtung und Position, Projekterfahrung, Angaben zur Autorschaft. Nach dem Aufteilen ist jeder Satz aus dem Lebenslauf einem konkreten Feld zugeordnet, sodass auf einen Blick sichtbar ist, welches Feld leer bleibt und welches nicht übereinstimmt.
Diese Feldstruktur bildet das Gerüst der MuchSci-Talentprofile: Erfasst werden nur Aufzeichnungen zu nationalen Projekten, und eine Aufnahme erfolgt erst, wenn Name, Einrichtung und Werdegang exakt mit öffentlichen Informationen übereinstimmen; was nicht übereinstimmt, wird als „zu prüfen“ markiert. Der Vorteil bei der Nutzung als Prüfgrundlage ist, dass das Bezugssystem selbst einen Validierungsmechanismus mitbringt – man gleicht nicht mit einer weiteren ungeprüften Quelle ab, sondern mit bereits gefilterten Profildaten.
04 Funktionsoberfläche: im Abgleich prüfen
▲ Abb. 4|Prüfbares und nur im Praxistest Feststellbares stehen sich auf zwei Seiten gegenüber; der Gesprächsleitfaden wird nach der rechten Spalte erstellt
Die drei Fragen der linken Spalte – ob die Angaben zutreffen, ob die Zeitangaben schlüssig sind und ob das Projekt real ist – gehen an den Profilabgleich; die drei Fragen der rechten Spalte – Kompetenz und Routine, Teamarbeit und langfristiges Engagement – kommen in den Gesprächsleitfaden. Die beiden Listen werden nicht vermischt, dann haben Prüfung und Vorstellungsgespräch jeweils ihre eigene Aufgabenbeschreibung.
So sehen die Profile in der Oberfläche aus:
▲ Abb. 5|Der berufliche Werdegang listet Einrichtung und Position chronologisch auf; Forschungsergebnisse sind in akademische Beiträge und geleitete Projekte unterteilt
Der berufliche Werdegang wird als Tabelle dargestellt, mit Zeitraum, Einrichtung und Position in einzelnen Spalten – ideal, um ihn Abschnitt für Abschnitt neben die entsprechenden Passagen im Lebenslauf zu legen; dort, wo die Jahresangaben nicht zusammenpassen, muss bei der Person nachgefragt werden. Der Forschungsbereich ist in akademische Beiträge und geleitete Projekte unterteilt; so lässt sich prüfen, ob die im Lebenslauf genannten Projekte mit öffentlichen Aufzeichnungen übereinstimmen.
05 Grenzen
① Dieser Beitrag beschreibt Funktionsmechanismen und Anwendungsweisen und stellt keine Wirkungszusage dar. Das Prüfergebnis hängt von der Verfügbarkeit öffentlicher Informationen ab; nicht auffindbar bedeutet nicht automatisch problematisch.
② Die Profile erzeugen keine Einstellungsempfehlung. Die Prüfung deckt nur faktische Felder ab; Kompetenz, Passung und tatsächliche Arbeitsleistung lassen sich nur durch Vorstellungsgespräch und Probezeit beurteilen; die Einstellungsentscheidung liegt in der Verantwortung der Nutzer.③ Es werden ausschließlich öffentliche Informationen verwendet. Es werden keine personenbezogenen Privatdaten verarbeitet und keine Bewertung einzelner Personen vorgenommen; bei formellen Zwecken wie der Personalbeschaffung gelten die aktuellen Vorschriften und Verfahren der jeweiligen Einrichtung.