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Vor dem Gruppenmeeting: zuerst selbst alles durchgehen

Der unangenehmste Moment im Gruppenmeeting ist oft nicht der, in dem der Betreuer ein Problem anspricht, sondern der, in dem gefragt wird: „Woher kommt diese Zahl?“, du den Blick senkst, eine halbe Minute lang im Handy suchst und dann sagst: „Ich prüfe das später nach.“ Das Problem liegt meist nicht

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Der unangenehmste Moment im Gruppenmeeting ist oft nicht der, in dem der Betreuer ein Problem anspricht, sondern der, in dem er fragt: „Woher kommt diese Zahl?“, und du aufs Handy schaust, eine halbe Minute lang suchst und dann sagst: „Ich prüfe das später noch einmal.“

Das Problem liegt meist nicht darin, dass zu wenig vorbereitet wurde, sondern in der Art der Vorbereitung. Dieser Beitrag beschreibt eine sehr schlichte Gewohnheit: die Materialien vor dem Vortrag selbst durchzugehen, und zwar in einer festen Reihenfolge.

01 Vier Prüfschritte, deren Reihenfolge nicht getauscht werden darf

▲ Abb. 1|Von der Schlussfolgerung bis zum Ungeklärten: Die vier Prüfschritte bauen aufeinander auf

Der erste Schritt ist die Schlussfolgerung. Schau zuerst nicht in die Materialien und schreibe die drei Aussagen auf, die du diesmal tatsächlich treffen willst. Dieser Schritt klingt überflüssig, ist aber der entscheidende – ohne die Schlussfolgerungen zuerst festzulegen, weißt du nicht, welche Belege du suchen musst, und landest schnell dabei, „einfach alle vorhandenen Abbildungen einzufügen“.

Der zweite Schritt sind die Belege. Hänge an jede Schlussfolgerung ein bis zwei der belastbarsten Belege. Achte darauf: „die belastbarsten“, nicht „alle“. Drei mittelstarke Belege sind weniger wert als ein solider.

Der dritte Schritt sind die Quellen. Gib hinter jeder Zahl die Herkunft an; noch besser ist es, wenn du bis zur Datensatznummer oder zur genauen Stelle in der Literatur kommst. Dieser Schritt ist speziell dafür gedacht, auf Nachfragen vorbereitet zu sein.

Der vierte Schritt betrifft die offenen Punkte. Liste die Teile, die sich nicht klar erklären lassen, separat auf. Dieser Schritt wird am leichtesten übersprungen, weil man instinktiv die unsicheren Stellen nicht zeigen möchte. Aber genau dieser Teil zeigt am besten, wie gut du die Materialien beherrschst – zu wissen, wo man etwas nicht weiß, ist selbst eine Information.

Die Reihenfolge der vier Schritte darf nicht vertauscht werden. Erst mit der Schlussfolgerung weiß man, welche Belege man suchen muss; erst mit den Belegen weiß man, wo man nach den Quellen suchen muss.

02 Worin sich zwei Arten von Material unterscheiden, wenn nachgefragt wird

▲ Abb. 2|Bei denselben drei Fragen fallen die Antworten je nach Vorbereitungsart völlig unterschiedlich aus

Der Unterschied in der Art der Materialvorbereitung zeigt sich gebündelt in dem Moment, in dem nachgefragt wird.

Loses Material meint den Zustand, in dem man sich auf spontanes Suchen verlässt: Wird nach der Quelle gefragt, sucht man im Handy nach Screenshots; wird nach der Bezugsgröße gefragt, weiß man nicht mehr genau, ob es diese oder die vorige Version war; wird nach dem Vergleich gefragt, kann man nur sagen: „Ich prüfe das noch einmal.“ Das ist kein Gedächtnisproblem – das Material selbst wurde nie strukturiert.

Material mit angehängten Belegen ist in einem völlig anderen Zustand: Die Quelle lässt sich direkt bis zur Datensatznummer zurückverfolgen; Änderungen der Bezugsgröße stehen in der Fußzeile und sind auf einen Blick sichtbar; Baseline und Versuchsgruppe stehen nebeneinander in derselben Tabelle, die Vergleichsbeziehung liegt fertig vor.

Der Unterschied liegt nicht darin, wie viel man sich merkt, sondern darin, ob sich das Material selbst Punkt für Punkt belegen lässt. Ersteres hängt von deinem Gedächtnis ab, Letzteres von der Struktur des Materials. Was MuchSci in dieser Hinsicht tut, ist sehr schlicht: verstreute Aufzeichnungen nach einheitlichen Feldern zusammenführen und aus „zu einem Datensatz gehen“ eine durchsuchbare Aktion zu machen statt eines Erinnerungsakts.

03 „Ob etwas vorhanden ist“ und „ob es sich prüfen lässt“ sind zwei verschiedene Dinge

▲ Abb. 3|Beides heißt Selbstcheck, doch geprüft wird nicht dasselbe

Viele Menschen prüfen bei einem Selbstcheck die Form: ob die Überschriftenhierarchie einheitlich ist, ob bei Abbildungen Einheiten angegeben sind, ob Quellen aufgeführt sind.

Das muss natürlich geprüft werden, aber es beantwortet nur die Frage nach dem „Ob“. Was im Ernstfall einer Nachfrage tatsächlich hilft, ist eine andere Ebene – ob es sich überprüfen lässt.

Beim Punkt „Einheiten in Diagrammen“ gilt dasselbe: Der formale Selbstcheck fragt, ob Einheiten angegeben sind; der Überprüfbarkeits-Selbstcheck fragt, ob sich die Werte zurückrechnen lassen. Bei „Datenquellen“ gilt dasselbe: Ersterer fragt, ob sie aufgeführt sind, Letzterer, ob sich bis zur Originalaufzeichnung zurückverfolgen lässt. Bei den „offenen Punkten“ gilt ebenfalls dasselbe: Ersterer neigt dazu, sie möglichst nicht zu erwähnen, Letzterer verlangt, sie auf einer eigenen Seite klar aufzulisten.

Der Unterschied zwischen den beiden Ebenen: Ein formaler Selbstcheck lässt dich erledigt wirken, ein Überprüfbarkeits-Selbstcheck lässt dich auf Nachfragen antworten.

▲ Abb. 4|Zwei Arten der Organisation im Vergleich: nach Zeit gestapelt und nach Schlussfolgerungen indexiert – der Unterschied liegt nicht darin, wie viel man sich merkt, sondern darin, ob andere damit arbeiten können

▲ Abb. 5|Schematische Struktur einer Selbstcheck-Checkliste: Der Status beschreibt nur, „ob man es selbst prüfen kann“, und bewertet nicht, ob die Schlussfolgerung gut oder schlecht ist

Die vier Statusbezeichnungen in der Checkliste sind beachtenswert: prüfbar / offen / nicht prüfbar / Hinweis. Beachte, dass sie alle beschreiben, „ob ich es selbst überprüfen kann“, und nicht, „ob diese Schlussfolgerung richtig ist“. Ob eine Schlussfolgerung richtig ist, ist eine akademische Bewertung; ob ich sie überprüfen kann, ist meine eigene Angelegenheit – vermischt man beides, wird der Selbstcheck zur Selbstberuhigung.

04 In welcher Reihenfolge man Material zu einer Gliederung verdichtet

▲ Abb. 6|Von einem Haufen Material zu einer Gliederung – in vier Schritten

Konkret beim Vorgehen sieht die Reihenfolge ungefähr so aus:

Zuerst die Schlussfolgerungen herausschreiben. Schau nicht in die Materialien und schreibe aus dem Gedächtnis drei Aussagen auf, die du wirklich sagen willst. Dieser Schritt zwingt dich, dich damit auseinanderzusetzen, was du eigentlich ausdrücken möchtest.

Dann die Belege anhängen. Hinter jede Schlussfolgerung kommen ein bis zwei der belastbarsten Stützen. Was sich nicht anhängen lässt, bleibt erst einmal liegen; zwinge nichts zusammen.

Offene Punkte markieren. Was sich nicht klar erklären lässt, kommt auf eine eigene Seite – verstecke es nicht.

Zum Schluss aussortieren. Wirf am Ende noch einmal einen Blick darauf – Schlussfolgerungen, an die sich keine Belege anhängen lassen, solltest du ernsthaft erwägen zu streichen. Ein Vortrag mit drei belastbaren Schlussfolgerungen ist besser als einer mit acht, von denen fünf in der Luft hängen.

Die Rolle von MuchSci in diesem Ablauf betrifft vor allem den dritten und vierten Schritt: Quellenangaben und offene Punkte des Materials in eine durchsuchbare Struktur zu bringen, sodass man bei einer Nachfrage direkt auf den konkreten Datensatz verweisen kann, statt sich auf Erinnerung zu verlassen. Die eigentliche Ordnungsarbeit machst weiterhin du selbst; MuchSci übernimmt die mechanischen Arbeiten wie das Zusammenführen verstreuter Aufzeichnungen und das Angleichen von Bezugsgrößen.

Der Inhalt dieses Beitrags wurde außerdem als Reihe hochformatiger Grafiken aufbereitet, damit man sie in kurzen Momenten durchsehen oder im Handyalbum speichern kann.

05 Grenzen

① Dieser Beitrag behandelt Gewohnheiten der Materialvorbereitung und ist kein Versprechen einer Wirkung. So klar Materialien auch organisiert sein mögen: Sie garantieren nicht, dass die Schlussfolgerung trägt, und noch weniger, dass der Vortrag gut ankommt.

② Eine Selbstcheck-Checkliste trifft keine Entscheidungen für dich. Sie markiert nur, „was noch nicht überprüft ist“; ob eine Schlussfolgerung veröffentlicht werden kann und ob sie in eine Arbeit gehört, muss weiterhin die Forscherin oder der Forscher selbst beurteilen.

③ Bei der Organisation von Daten und Ergebnissen sind die geltenden Vorgaben der eigenen Einrichtung und der Zeitschrift zu beachten. Dieser Beitrag behandelt die Organisation öffentlicher Informationen und eigener Aufzeichnungen und berührt nicht die konkreten Anforderungen von Datenverarbeitungsrichtlinien.

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